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Frauenspezifische PsychotherapieLogo Wendepunkt

Der Begriff "frauenspezifische Psychotherapie" bezieht seine Grundlage aus der Erkenntnis, dass jede Form der Psychotherapie in einem kulturellen, historischen und gesellschaftspolitischen Kontext gesehen werden kann.

Geschichtlicher Hintergrund

Die frauenspezifische Psychotherapie entwickelte sich in den 1970er-Jahren in den USA in Verbindung mit der politischen Frauenbewegung. Erstmals wurden gängige Therapieformen als für Frauen nicht zielführend bzw. sogar als kontraproduktiv kritisiert.

Am Anfang standen der Selbsthilfeaspekt und die Kritik an den herkömmlichen Psychotherapieformen sowie die unterschiedlichen Diskriminierungsformen von Frauen im Rahmen von Psychotherapie im Vordergrund.

Was ist frauenspezifische Psychotherapie?

Frauenspezifische Psychotherapie ist Psychotherapie von Frau zu Frau.

Sie ist keine eigene Methode, sondern ist beschreibt eine Grundhaltung seitens der Psychotherapeutin. Sie ist sich der spezifisch weiblichen Sozialisation bewusst und denkt die strukturellen und kulturellen Lebensbedingungen für Frauen in all ihre Überlegungen und Interventionen mit, so z.B. die oft vorhandene Mehrfachbelastung durch Familie und Beruf, die unterschiedlichen Formen von Diskriminierungen (unterschiedliches Lohnniveau…), fehlende sexuelle Selbstbestimmung sowie sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Ihre Aufgabe ist es, die mit dem Thema der Klientinnen verbundenen gesellschaftlichen Zusammenhänge für die Klientin greifbarer zu machen und somit gestaltbarer zu machen. Die Psychotherapeutin hat sich selbst mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandergesetzt und reflektiert diese laufend mit anderen Psychotherapeutinnen.

Grundhaltungen

In der Frauenspezifischen Psychotherapie stehen die Ressourcen und Fähigkeiten der Klientinnen im Fokus. Die Grundhaltung ist von differenzierter Parteilichkeit, Akzeptanz und Wertschätzung geprägt und umfasst die Offenheit für unterschiedliche Lebensmodelle von Frauen jenseits herkömmlicher Rollenvorstellungen sowie die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen.

Das Netzwerk Euorpean Women´s Health Network (EWHNET) entwickelte 1999 im Rahmen eines EU-Projekts die europäischen Standards zu frauenspezifischer Psychotherapie.

Hier ein kurzer Auszug:

  • Nicht nur das Geschlecht, sondern auch Schicht- und Kulturzugehörigkeit, Ethnizität, sexuelle Ausrichtung, Alter und Behinderungen sind zentrale Faktoren, die Einfluss auf Leben und somit auch auf Leiden von Frauen nehmen und daher in der Therapie zu berücksichtigen sind.
  • Kenntnisse über frauenspezifische Themen in den verschiedenen Lebensphasen wie weibliche Sexualität und Anatomie, Körperimage, Mutterschaft, Scheidung, Altern, Arbeits- und Familienleben gelten als notwendige Arbeitsvoraussetzung.
  • Einnehmen einer Position, die an Ressourcen und an den vorhandenen Kompetenzen von Frauen orientiert ist
  • Verwendung einer Sprache, die Frauen sichtbar macht und Frauen nicht diskriminiert.
  • Die Reflexion über den eigenen Sozialisationsprozess, ihre Identität als Frau und ihre Arbeitsidentität und die Bereitschaft zur kontinuierlichen offenen Auseinandersetzung